Politisches Statement7. Juli 2026Roland Weiniger, Vorsitzender der KulturGildeAktualisiert am 28. Juli 2026

Raumfahrt muss in die Anwendung kommen

Bayern investiert in Raumfahrt, Satellitendaten und Erdbeobachtung. Doch der Nutzen entsteht nicht allein im All, sondern vor allem auf der Erde: in Karten, Lagebildern, Simulationen, Bildungsformaten, Anwendungen für Kommunen und verständlicher Kommunikation. Die KulturGilde fordert deshalb, die Kultur- und Kreativwirtschaft frühzeitig in die Anwendungsebene der bayerischen Raumfahrtstrategie einzubeziehen.

Warum Bayerns Raumfahrtstrategie eine kreative Anwendungsebene braucht

Die Bayerische Staatsregierung hat mit ihrer Raumfahrtstrategie und dem Satellitennetzwerk „CuBy" ein starkes Signal gesetzt. Fünf in Bayern gebaute Kleinsatelliten sollen künftig multispektrale Aufnahmen von Teilgebieten Bayerns liefern. Als mögliche Einsatzfelder werden unter anderem Waldmonitoring, Landwirtschaft, Katastrophenschutz, Umweltschutz und Kartographie genannt.

Das ist industrie- und innovationspolitisch relevant. Es zeigt: Raumfahrt ist nicht mehr nur ein Thema für Forschungsmissionen, Trägerraketen oder große Technologieprogramme. Sie wird zu einer Infrastruktur für konkrete Entscheidungen – in Kommunen, Behörden, Unternehmen, Landwirtschaft, Umweltpolitik, Sicherheitsstrukturen, Bildung und öffentlicher Daseinsvorsorge.

Genau deshalb darf die Debatte nicht bei Satelliten, Sensorik und Rohdaten stehen bleiben. Die entscheidende Frage lautet: Wie kommen diese Daten in die Anwendung? Wer macht sie verständlich? Wer entwickelt daraus Werkzeuge, die Menschen, Verwaltungen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen tatsächlich nutzen können?

Aktualisierung: Der Banz26-Beschluss erhöht den Handlungsdruck

Mit dem am 28. Juli 2026 veröffentlichten Banz26-Beschluss „Stärken, was Deutschland stark macht!" rückt die CSU im Bundestag Luft- und Raumfahrt, satellitengestützte Erdbeobachtung und staatliche Beschaffung noch stärker in den Mittelpunkt ihrer Technologiepolitik. Vorgesehen sind unter anderem eine Weltraum-Flotte der Bundeswehr mit mehr als 1.000 Satelliten, ein dauerhaft abgesicherter Förderschwerpunkt für zivile Erdbeobachtung, eine stärkere Vernetzung von Forschung, Start-ups und etablierten Unternehmen sowie ein nationales Raumfahrtgesetz.

Für die KulturGilde ist besonders relevant, dass der Staat nach dem Willen der CSU nicht nur fördern, sondern als verlässlicher Auftraggeber auftreten soll. Damit stellt sich umso dringlicher die Frage, welche Leistungen der Staat tatsächlich bestellt: nur Satelliten, Sensoren und technische Infrastruktur – oder auch die Anwendungen, Oberflächen, Simulationen, Visualisierungen und Vermittlungsformate, durch die aus Raumfahrtdaten ein praktischer Nutzen entsteht?

Originaldokument

CSU im Bundestag: Stärken, was Deutschland stark macht!

Beschluss zur Klausur Banz26 mit Vorschlägen zu Gründungen, Wagniskapital, Robotik, Raumfahrt, Erdbeobachtung, KI, Mikrochips und weiteren Schlüsseltechnologien.

PDF · 6 Seiten · veröffentlicht im Juli 2026

Zivile Erdbeobachtung braucht einen Markt für Anwendungen

Der CSU-Beschluss erwartet, dass der globale Markt für satellitengestützte zivile Erdbeobachtung von 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 7,9 Milliarden Euro im Jahr 2034 wächst. Europa verfüge derzeit mit 42 Prozent über einen geringfügig größeren Weltmarktanteil als die USA mit 41 Prozent.

Dieser Vorsprung lässt sich nicht allein durch mehr Satelliten sichern. Wirtschaftliche Wertschöpfung entsteht auch in der nachgelagerten Anwendung: durch kommunale Lagebilder, Umwelt- und Klimadashboards, landwirtschaftliche Dienste, Planungswerkzeuge, digitale Zwillinge, Bildungsangebote, Medienformate und Simulationen.

Hier können Kreativunternehmen einen eigenständigen Markt erschließen. Voraussetzung ist, dass sie Zugang zu Daten, Schnittstellen, Pilotprojekten, öffentlichen Auftraggebern und Raumfahrtkonsortien erhalten.

Wenn der Staat Auftraggeber wird, muss er mittelstandsfreundlich vergeben

Die Forderung, den Staat zum verlässlichen Auftraggeber der Raumfahrtwirtschaft zu machen, ist richtig. Öffentliche Nachfrage kann jungen Unternehmen Referenzen verschaffen, erste Märkte öffnen und Technologien schneller in die Praxis bringen.

Die Aufträge dürfen jedoch nicht ausschließlich in großen Gesamtpaketen vergeben werden, die nur etablierte Systemanbieter erfüllen können. Leistungen wie Datenvisualisierung, User Experience, Simulation, barrierefreie Bedienung, Wissenschaftskommunikation, Lernmedien oder Beteiligung müssen als eigenständige und wirtschaftlich relevante Bestandteile sichtbar ausgeschrieben werden.

Eine mittelstandsfreundliche Vergabe bedeutet deshalb: fachlich sinnvolle Lose, realistische Referenzanforderungen, angemessene Vergütung, geringe Vorfinanzierungslasten und Qualitätskriterien, die nicht nur technische Leistungswerte, sondern auch Verständlichkeit, Nutzbarkeit und nachgewiesene Anwendungskompetenz berücksichtigen.

Für Presse, Politik und Verwaltung

ThemaBayerische Raumfahrtstrategie und Satellitennetzwerk CuBy
PositionKreativwirtschaft frühzeitig in die Anwendungsebene einbeziehen
BetroffeneKommunen, Museen, Bildungsträger, Games-Studios, Kreativunternehmen, Behörden
AnsprechpartnerRoland Weiniger, Vorsitzender der KulturGilde
Pressekontaktroland.weiniger@kulturgilde.de
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Satellitendaten sind noch keine Lösung

Daten allein lösen keine Probleme. Auch hochaktuelle, präzise oder KI-gestützt ausgewertete Satellitendaten entfalten ihren Wert erst, wenn sie in konkrete Arbeitsprozesse übersetzt werden.

Ein kommunaler Krisenstab braucht keine abstrakten Datensätze, sondern verständliche Lagebilder. Eine Schule braucht kein technisches Fernerkundungsmodell, sondern gute Bildungsformate. Eine Kommune braucht bei Hitze, Hochwasser, Flächenverbrauch oder Grünflächenplanung Werkzeuge, die fachlich belastbar, politisch anschlussfähig und öffentlich vermittelbar sind. Ein Museum braucht keine Datenbank, sondern eine Erzählung, die Menschen erreicht. Ein landwirtschaftlicher Betrieb braucht keine Innovationsrhetorik, sondern eine Anwendung, die im Alltag hilft.

Zwischen Daten und Wirkung liegt Gestaltung.

Diese Gestaltung ist kein dekorativer Zusatz. Sie entscheidet darüber, ob aus Raumfahrt ein praktischer Standortvorteil wird.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft als Transfermotor

Die Kultur- und Kreativwirtschaft kann an mehreren Stellen eine Brücke zwischen Raumfahrttechnologie und gesellschaftlicher Anwendung schlagen.

Datenvisualisierung und Informationsdesign

Satellitendaten müssen lesbar, vergleichbar und entscheidungsfähig werden. Gute Karten, Dashboards, interaktive Zeitreihen, verständliche Diagramme und nutzerfreundliche Oberflächen bestimmen, ob Fachinformationen in Verwaltung, Politik, Unternehmen und Öffentlichkeit verstanden werden.

User Experience und digitale Anwendungen

Wenn Geodaten, KI-Auswertungen oder Erdbeobachtungsdaten in Software, Plattformen oder kommunale Werkzeuge überführt werden, braucht es konsequentes User-Experience-Design. Gerade öffentliche Anwendungen müssen robust, verständlich und barrierearm sein.

Games, Simulation und Trainingsszenarien

Katastrophenschutz, Klimaanpassung, Waldschäden, Hochwasser, Infrastrukturplanung oder Sicherheitslagen lassen sich in interaktiven Szenarien vermitteln und trainieren. Serious Games, Planspiele, Simulationen und digitale Zwillinge können helfen, komplexe Lagen besser zu verstehen und Entscheidungen vorzubereiten.

Wissenschaftskommunikation und Storytelling

Raumfahrt ist erklärungsbedürftig. Warum braucht Bayern eigene Satellitendaten? Was bedeuten multispektrale Aufnahmen? Wie hilft Erdbeobachtung beim Waldmonitoring oder im Katastrophenschutz? Solche Fragen brauchen Sprache, Bilder, Beispiele und Formate, die Menschen erreichen.

Museen, Bildung und Vermittlung

Raumfahrt, Erdbeobachtung, Klima, Landwirtschaft, Sicherheit und Umwelt sind starke Themen für Museen, Schulen, Hochschulen, Science Center, außerschulische Lernorte und öffentliche Ausstellungen. Die Kultur- und Kreativwirtschaft kann daraus Formate entwickeln, die Wissen nicht nur darstellen, sondern erfahrbar machen.

Kommunikation zwischen Technologie und Öffentlichkeit

Zukunftstechnologien brauchen Akzeptanz. Akzeptanz entsteht nicht durch Hochglanzbroschüren, sondern durch Transparenz, Verständlichkeit und Beteiligung. Kreative Kommunikationsformate können helfen, die Raumfahrtstrategie nicht als abstraktes Technologieprojekt erscheinen zu lassen, sondern als Werkzeug für konkrete gesellschaftliche Aufgaben.

Raumfahrtpolitik darf nicht nur Hochtechnologiepolitik sein

Bayern ist stark in Technologie, Forschung, Industrie und Ingenieurwesen. Das ist eine wichtige Grundlage. Moderne Innovationspolitik muss aber weiter denken.

Wenn der Freistaat Raumfahrt als strategisches Zukunftsfeld versteht, braucht es neben Forschungseinrichtungen, Start-ups, Industrieunternehmen und Behörden auch eine aktive Anwendungsebene. Diese sollte gezielt kleine und mittlere Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft einbeziehen. Das gilt besonders für:

Erdbeobachtung und Geodaten
KI-gestützte Auswertung
digitale Zwillinge
kommunale Lagebilder
Klimaanpassung und Umweltmonitoring
Katastrophenschutz und Sicherheit
Bildungs- und Vermittlungsformate
Simulationen und Serious Games
Ausstellungen, Museen und Wissenschaftskommunikation
Standortkommunikation und Innovationsmarketing

Die KulturGilde sieht darin keinen Gegensatz zur klassischen Raumfahrtindustrie. Im Gegenteil: Je stärker Technologie, Kreativwirtschaft und öffentliche Anwendung zusammenarbeiten, desto größer wird der Nutzen der Raumfahrtstrategie.

Kreativnetze: Wie die KulturGilde Schnittstellen organisiert

Die KulturGilde arbeitet mit sogenannten Kreativnetzen. Das sind themenbezogene Zusammenschlüsse von Kulturschaffenden, Kreativunternehmen, Institutionen, Verwaltung, Politik und weiteren Akteuren eines bestimmten Feldes.

Kreativnetze funktionieren nicht wie klassische Verbandsstrukturen, in denen zuerst eine Mitgliedschaft oder formale Zugehörigkeit im Vordergrund steht. Sie sind niedrigschwellige, praxisnahe und thematisch fokussierte Arbeits- und Vernetzungsräume. Sie bringen Menschen zusammen, die an einer konkreten Schnittstelle arbeiten oder arbeiten könnten. Dabei geht es nicht um reine Branchenpflege. Kreativnetze setzen dort an, wo gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Herausforderungen mehrere Perspektiven brauchen.

Ein Kreativnetz kann Akteure aus unterschiedlichen Branchen sichtbar machen, konkrete Praxisfragen sammeln, gemeinsame Themen für Politik und Verwaltung aufbereiten, Gespräche und Arbeitsformate ermöglichen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unterstützen, Projektideen vorbereiten, Kooperationen anstoßen und politische Bedarfe aus der Praxis formulieren.

Bestehende Kreativnetze der KulturGilde zeigen, wie unterschiedlich solche Schnittstellen aussehen können: Creativity on Tap verbindet Kreativwirtschaft, Brauwirtschaft, Gastronomie, Orte der Begegnung und regionale Kultur. Die SpieleGilde ist ein naheliegender Anknüpfungspunkt für Games, Simulation, Serious Games und interaktive Vermittlung. MAHO – Museen, Archive und Historische Orte verbindet kulturelles Erbe, Vermittlung, Digitalisierung, Orte und Öffentlichkeit. Spectacle Society steht für kreative Formate, Inszenierung, Erlebnisräume und neue Formen kultureller Wahrnehmung.

Diese Logik lässt sich auf Raumfahrt, Erdbeobachtung und Satellitendaten übertragen. Denn auch hier geht es um Schnittstellen: zwischen Technologie und Gesellschaft, Forschung und Anwendung, Daten und Entscheidung, Verwaltung und Öffentlichkeit.

Mögliche Konsequenz

Ein Kreativnetz für Raumfahrt, Technik und Anwendung

Als mögliche Konsequenz aus der bayerischen Raumfahrtstrategie regt die KulturGilde ein offenes Kreativnetz für Raumfahrt, Technik und Anwendung an. Ein solches Kreativnetz wäre keine neue Institution und kein Konkurrenzformat zu bestehenden Raumfahrtclustern, Förderstrukturen oder Forschungsnetzwerken. Es wäre eine praktische Vernetzungsebene für die Anwendung.

Zusammenkommen könnten unter anderem Raumfahrtunternehmen, Sensorik- und Geodatenanbieter, KI- und Softwareunternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Kommunen und Verwaltungen, Katastrophenschutz- und Sicherheitsakteure, Umwelt- und Landwirtschaftsakteure, Museen, Bildungsträger und Wissenschaftskommunikation, Games-Studios und Serious-Games-Entwickler:innen sowie Designer:innen, Medienproduzent:innen und Kreativagenturen.

Ziel wäre nicht, Raumfahrt allgemein zu diskutieren, sondern konkrete Anwendungsfragen zu identifizieren: Was brauchen Kommunen wirklich? Welche Daten sind für die Praxis relevant? Wie lassen sich Satellitendaten in Bildung, Museen oder öffentliche Kommunikation übersetzen? Welche Rolle können Games und Simulation in Katastrophenschutz, Klimaanpassung oder Stadtentwicklung spielen?

Die KulturGilde verfügt über Erfahrung im Aufbau von Kreativnetzen an den Schnittstellen unterschiedlicher Branchen und bietet an, eine solche Vernetzungsebene zu koordinieren.

Was die KulturGilde fordert

Wenn Bayern seine Raumfahrtstrategie in die Anwendung bringen will, sollten Förderprogramme, Innovationsplattformen und Transferformate die Kultur- und Kreativwirtschaft frühzeitig berücksichtigen – gerade kleine Kreativunternehmen, Solo-Selbstständige und spezialisierte Studios verfügen oft über Kompetenzen, die an der Schnittstelle von Technologie und Anwendung gebraucht werden.

1

Eigene Budgets für die Anwendungsebene

Raumfahrtprogramme und öffentliche Aufträge müssen eigene Budgets für Datenvisualisierung, User Experience, Simulation, digitale Zwillinge, Vermittlung, Nutzertests und anwendungsbezogene Prototypen vorsehen. Diese Leistungen dürfen nicht erst aus möglichen Restmitteln am Ende eines Projekts finanziert werden.

2

Staatliche Beschaffung für kreative Transferleistungen öffnen

Wenn der Staat als Auftraggeber auftritt, müssen auch Kreativunternehmen, spezialisierte Studios und Solo-Selbstständige Zugang zu Aufträgen erhalten. Große Vorhaben sind soweit fachlich möglich in mittelstandsfreundliche Lose zu gliedern.

3

Kreativunternehmen früh in Konsortien beteiligen

Design, Games, 3D, Film, Medien, Kommunikation und Beteiligung müssen bereits bei der Definition von Anwendungen und Nutzungsszenarien eingebunden werden – nicht erst für Website, Erklärfilm oder Abschlussveranstaltung.

4

Datenzugänge und Lizenzen klären

Öffentlich finanzierte Erdbeobachtungsdaten sollen, soweit Sicherheitsinteressen und Datenschutz dies zulassen, über dokumentierte Schnittstellen, verständliche Nutzungsbedingungen und klare Lizenzmodelle zugänglich sein. Kleine Unternehmen dürfen nicht an unklaren Rechten oder hohen Zugangskosten scheitern.

5

Kommunale und zivile Pilotanwendungen finanzieren

Kommunen, Katastrophenschutz, Landwirtschaft, Umweltverwaltung, Schulen, Museen und Bildungsträger sollen konkrete Aufgaben einbringen können. Gefördert werden sollen interdisziplinäre Teams, die aus Satellitendaten funktionsfähige Prototypen und überprüfbare Anwendungen entwickeln.

6

Zivile Erdbeobachtung als eigenständiges Anwendungsfeld sichern

Die sicherheits- und verteidigungspolitischen Teile des Banz26-Beschlusses dürfen die zivile Nutzung der Raumfahrt nicht überlagern. Für Umwelt, Klimaanpassung, Landwirtschaft, Bildung, Forschung und kommunale Planung braucht es dauerhaft abgesicherte und transparent zugängliche Strukturen.

7

Kreativwirtschaft in Technologie-Roadmaps aufnehmen

In künftigen Technologie-Roadmaps von Bund und Ländern muss die Kultur- und Kreativwirtschaft als Entwicklungs- und Transferpartner sichtbar werden. Zu jeder Roadmap gehört die Frage, wie aus technischer Leistungsfähigkeit eine verständliche, zugängliche und wirtschaftlich tragfähige Anwendung wird.

8

Offenes Kreativnetz Raumfahrt und Anwendung aufbauen

Die KulturGilde bietet an, Raumfahrtunternehmen, Geodatenanbieter, Forschung, Kommunen, Museen, Bildung, Games-Studios, Designer:innen und weitere Kreativunternehmen in einem anwendungsbezogenen Netzwerk zusammenzubringen. Im Mittelpunkt sollen konkrete Aufgaben und Pilotprojekte stehen, nicht ein weiteres allgemeines Konferenzformat.

Warum diese Debatte jetzt geführt werden sollte

Die Satelliten sind gestartet. Erste Bilder werden erwartet, regelmäßige Datenlieferungen sollen folgen. Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Anwendungsebene mitzudenken.

Wenn die kreative Übersetzungsarbeit erst beginnt, wenn alle technischen Strukturen fertig sind, wird Potenzial verschenkt. Gute Anwendungen entstehen nicht nebenbei. Sie entstehen durch frühe Zusammenarbeit, durch Verständnis für Nutzer:innen, durch Experimente, Prototypen, Iteration und die Fähigkeit, komplexe technische Möglichkeiten in konkrete Handlungssituationen zu übersetzen.

Raumfahrt kann Bayern helfen, Wälder besser zu beobachten, Landwirtschaft datenbasierter zu unterstützen, Katastrophenschutz zu verbessern, Umweltveränderungen sichtbarer zu machen und Kommunen bessere Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Aber dafür braucht es mehr als Daten. Es braucht Gestaltung, Vermittlung, Anwendung und kreative wie technische Zusammenarbeit.

Oder anders gesagt: Die Satelliten sind im All. Die entscheidende Frage ist jetzt, was Bayern auf der Erde daraus macht.

Position der KulturGilde

Die KulturGilde begrüßt die bayerische Raumfahrtstrategie als wichtigen Impuls für Technologie, Innovation und Standortentwicklung. Zugleich fordert sie, die Kultur- und Kreativwirtschaft systematisch in die Anwendungsebene einzubeziehen.

Raumfahrtpolitik darf nicht nur dort stattfinden, wo Satelliten gebaut, Daten verarbeitet oder Trägerraketen diskutiert werden. Sie muss auch dort ankommen, wo Menschen mit den Ergebnissen arbeiten: in Kommunen, Schulen, Museen, Unternehmen, Verwaltungen, Krisenstäben, Planungsbüros und öffentlichen Debatten. Die Kultur- und Kreativwirtschaft kann dafür eine Brücke schlagen. Nicht als Begleitmusik, sondern als Transfermotor.

„Der Banz26-Beschluss spricht davon, dass der Staat in der Raumfahrt nicht nur Förderer, sondern verlässlicher Auftraggeber sein soll. Das ist ein wichtiger Punkt. Entscheidend ist nun, was bestellt wird. Wer nur Satelliten und technische Infrastruktur finanziert, lässt einen großen Teil der Wertschöpfung liegen. Aus Daten werden erst dann Werkzeuge, wenn jemand Nutzung, Oberfläche, Simulation und Vermittlung gestaltet."

— Roland Weiniger, Vorsitzender der KulturGilde

Austausch

Mit der KulturGilde ins Gespräch kommen

Die KulturGilde lädt Raumfahrtunternehmen, Forschungseinrichtungen, Kommunen, Verwaltung, Museen, Bildungsträger, Games-Studios, Kreativunternehmen und politische Entscheidungsträger:innen zum Austausch ein. Wer Satellitendaten, Erdbeobachtung, Simulation, Vermittlung und kreative Anwendung zusammendenken möchte, kann sich an die KulturGilde wenden.

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