Museumsinvestitionen sind auch Standortpolitik
Museen stärken kulturelle Bildung und gesellschaftliche Verständigung. Gut profiliert und regional vernetzt können sie zugleich Tourismus, Stadtentwicklung und Kultur- und Kreativwirtschaft voranbringen.
Herausgeber: MAHO – Museen, Archive und Historische Orte · Ein Kreativnetz der KulturGilde
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Eine aktuelle Untersuchung zum Erlebnismuseum Sensoria in Holzminden zeigt, dass ein Museum zusätzliche Übernachtungen und regionale Umsätze auslösen kann. MAHO fordert deshalb, Museumsinvestitionen nicht ausschließlich als Kulturförderung, sondern auch als Standort- und Regionalentwicklungspolitik zu betrachten.
Museen sind Orte des kulturellen Gedächtnisses, der Bildung und der gesellschaftlichen Verständigung. Ihre Wirkung endet jedoch nicht an der Museumstür. Gut profilierte Museen können zusätzliche Gäste in eine Stadt bringen, Übernachtungen auslösen und Umsätze in Gastronomie, Hotellerie, Handel und weiteren Dienstleistungen erzeugen.
Eine aktuelle Untersuchung des Erlebnismuseums Sensoria in Holzminden weist für das erste Betriebsjahr rund 4.700 zusätzliche Übernachtungen und etwa 560.000 Euro zusätzlichen regionalen Bruttoumsatz aus. Der größte Teil der berechneten Wirkung entfiel auf Hotellerie und Gastronomie.
Die zugrunde liegende Studie
Thomas Wieland untersucht in einer Fallstudie die touristischen und regionalwirtschaftlichen Auswirkungen der Eröffnung des Erlebnismuseums Sensoria in Holzminden. Für das erste Betriebsjahr werden 4.691 zusätzliche Übernachtungen und ein zusätzlicher regionaler Bruttoumsatz von 560.576 Euro geschätzt.
Vollständige Quellenangabe
Thomas Wieland: „Assessing the impact of tourist attractions through the integration of causal inference and demand-side economic analysis: A case study of the Sensoria experience museum in Holzminden, Germany." arXiv:2605.21464, 2026. Preprint.
Die Veröffentlichung ist ein Preprint. Die Ergebnisse beziehen sich auf den untersuchten Einzelfall und lassen sich nicht automatisch auf jedes Museum übertragen.
Die Untersuchung zeigt damit exemplarisch: Ein Museum kann nicht nur kulturelle und gesellschaftliche Aufgaben erfüllen, sondern zugleich einen Beitrag zur touristischen Attraktivität, zum Stadtprofil und zur regionalen Wertschöpfung leisten.
Deshalb dürfen Museumsprojekte nicht ausschließlich aus dem Kulturetat betrachtet werden. Sie sind zugleich Investitionen in Tourismus, Regionalentwicklung, Stadtmarketing und Kultur- und Kreativwirtschaft.
Der geschätzte regionale Bruttoumsatz von rund 560.000 Euro ist kein Einnahmen- oder Gewinnwert des Museums, sondern eine modellbasierte Schätzung zusätzlicher regionaler Wertschöpfung in Hotellerie, Gastronomie und Handel.
Dabei reicht es nicht aus, Gebäude und Erstausstattung zu finanzieren. Neue Museen, Dauerausstellungen und größere Weiterentwicklungen benötigen auch nach ihrer Eröffnung ausreichende Mittel für Programme, Kommunikation, Kooperationen und neue Besuchsanlässe. Nur so kann aus der anfänglichen Aufmerksamkeit eine langfristige Wirkung entstehen.
Kultur- und Kreativunternehmen sollten frühzeitig in solche Projekte einbezogen werden. Unternehmen und Freiberufler aus Design, Szenografie, Games, Film, Musik, Software, Werbung, Storytelling und darstellender Kunst können dabei helfen, aus Sammlungen, Geschichte und regionalem Kulturerbe unverwechselbare Erlebnisse zu entwickeln.
MAHO fordert
Gemeinsame Finanzierung durch Kultur, Tourismus und Wirtschaftsförderung
Museumsprojekte mit regionaler Ausstrahlung sollten ressortübergreifend geplant und finanziert werden. Neben Kulturverwaltungen müssen auch Tourismusorganisationen, Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung Verantwortung übernehmen.
Ausreichende Mittel für Programm und Kommunikation nach der Eröffnung
Die Eröffnung eines Museums ist nur der Beginn. Es braucht dauerhaft Mittel für Veranstaltungen, Sonderformate, Kooperationen, Kommunikation und die Weiterentwicklung des Angebots.
Frühzeitige Einbindung regionaler Kreativunternehmen
Kultur- und Kreativunternehmen dürfen nicht erst am Ende für einzelne Gestaltungs- oder Werbeleistungen hinzugezogen werden. Ihre Kompetenzen sollten bereits bei Profilentwicklung, Vermittlung, Dramaturgie und Konzeption einbezogen werden.
Verbindliche Konzepte zur Wirkungsmessung
Bei größeren Museumsinvestitionen sollte von Beginn an festgelegt werden, wie kulturelle, gesellschaftliche, touristische und wirtschaftliche Wirkungen erfasst werden. Dazu gehören unter anderem Besucherherkunft, Besuchsmotivation, Aufenthaltsdauer, Übernachtungsbezug, regionale Kooperationen und Aufträge an Kreativunternehmen.
Dauerhafte Kooperationen zwischen Museen und regionaler Wirtschaft
Museen sollten als Teil regionaler Wertschöpfungsnetzwerke verstanden werden. Kooperationen mit Hotellerie, Gastronomie, Handel, Mobilität, Tourismus und regionalen Produzenten können zusätzliche Angebote und gemeinsame Besuchsanlässe schaffen.
Vertiefende Analyse bei MAHO / museumsmarketing.net
Auf museumsmarketing.net ordnet MAHO die Studie ausführlicher ein und zeigt, welche Konsequenzen sich daraus für Museen, Kommunen, Tourismus und Kultur- und Kreativwirtschaft ableiten lassen.
Museen als Wirtschaftsfaktor: Was die Sensoria-Studie für Städte und Regionen zeigt
Ausführliche redaktionelle Einordnung der Studienergebnisse und ihrer Bedeutung für Museumsentwicklung, Tourismus und regionale Wertschöpfung.
Fachartikel lesenFallstudie Sensoria: Wie ein Erlebnismuseum zusätzliche Gäste in eine Stadt bringen kann
Detaillierte Aufbereitung mit Kennzahlen, Wirkungsverteilung nach Branchen und fünf Lehren für Museen und Kommunen.
Fallstudie lesenPosition von MAHO
Museen sind keine beliebig austauschbaren Freizeitattraktionen. Ihre besondere Stärke liegt in ihren Sammlungen, ihren authentischen Orten und den Geschichten ihrer Region. Werden diese Inhalte professionell vermittelt, kreativ inszeniert und mit regionalen Partnern verbunden, entstehen kultureller Mehrwert und wirtschaftliche Wirkung zugleich.
MAHO setzt sich deshalb dafür ein, Museumsentwicklung als gemeinsame Aufgabe von Kulturpolitik, Kreativwirtschaft, Tourismus und Regionalentwicklung zu begreifen.
„Museen sind kulturelle Gedächtnisse und regionale Zukunftsorte. Ihre Finanzierung ist deshalb nicht nur Kulturförderung, sondern auch Standortpolitik."
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MAHO bringt Museen, Archive, historische Orte, Kommunen, Tourismus und Kreativunternehmen zusammen. Wer Profilentwicklung, Museumswirkung, regionale Kooperationen oder kreative Vermittlungsformate voranbringen möchte, kann sich an MAHO wenden.
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